Musikverein und Stadt lehnen einen Verzicht ab. Wir fordern: keine öffentliche Inszenierung eines getöteten Tieres – und eine tierfreie Neuausrichtung des Festes.
25. Juli, 19 Uhr
„Ochseneinhängen“ angekündigt
26. Juli, 11 Uhr
„Ochsenanschnitt“ angekündigt
Oberbürgermeister
Dr. Matthias Knecht ist für den Anschnitt vorgesehen
Verantwortliche halten an der Tierinszenierung fest
Der Musikverein Poppenweiler hält trotz unserer Kritik am angekündigten „Ochseneinhängen“ und „Ochsenanschnitt“ beim Ochsenfest 2026 fest. Aus einer von Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht übermittelten und nach seinen Angaben gemeinsam abgestimmten Stellungnahme geht außerdem hervor: Der Oberbürgermeister ist derzeit für den Ochsenanschnitt vorgesehen.
Das Ochsenfest findet vom 24. bis 27. Juli 2026 in Ludwigsburg-Poppenweiler statt. Der Veranstalter stellt den „Ochsen am Spieß“ prominent heraus und zählt auf seiner Website neben vier Festtagen und mehr als zehn Musikformationen ausdrücklich „1 Ochse am Spieß“ zu den zentralen Merkmalen der Veranstaltung. Auch das „Ochseneinhängen“ und der spätere Anschnitt werden als eigene Programmpunkte angekündigt.
Wir hatten den Musikverein, die Stadt und die beteiligten Sponsoren aufgefordert, auf diese öffentliche Inszenierung zu verzichten. Dabei ging es ausdrücklich nicht um die Absage des Musik- und Gemeinschaftsfestes, sondern um zwei Programmpunkte, bei denen der Körper eines getöteten Tieres zur Attraktion und zum Gegenstand einer öffentlichen Zeremonie gemacht wird.
Ein kurzfristiger Verzicht wird abgelehnt
In der gemeinsamen Stellungnahme heißt es, ein kurzfristiger Verzicht sei nicht vorgesehen. Zur Begründung werden unter anderem die langfristige Planung, organisatorische und wirtschaftliche Verpflichtungen sowie der traditionelle Charakter des Festes angeführt.
Diese Argumentation überzeugt uns nicht. Wir haben ausdrücklich berücksichtigt, dass die gastronomischen Vorbereitungen möglicherweise bereits abgeschlossen sind. Selbst dann kann weiterhin darauf verzichtet werden, den Tierkörper öffentlich einzuhängen und seinen Anschnitt als Festakt zu inszenieren. Dafür muss weder das gesamte Fest abgesagt noch das bereits geplante Speisenangebot kurzfristig verworfen werden.
Auch 2026 ist eine Entscheidung möglich: Der Oberbürgermeister kann auf den Anschnitt verzichten, und der Musikverein kann aus einer Tierinszenierung einen gewöhnlichen gastronomischen Ablauf machen.
Nicht die Schlachtung auf dem Festgelände ist der Kritikpunkt
Die Stellungnahme betont, dass der Ochse nicht vor den Besucherinnen und Besuchern getötet werde und Schlachtung, Verarbeitung und Zubereitung unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben erfolgten.
Das haben wir nie anders behauptet. Eine gesetzeskonforme Schlachtung beantwortet nicht die ethische Kritik an der anschließenden öffentlichen Darstellung. Entscheidend ist: Ein zuvor empfindungsfähiges Lebewesen wird getötet, sein Körper öffentlich präsentiert und der Anschnitt zu einem angekündigten Programmpunkt eines Familienfestes gemacht.
Auch die Aussage, der Verein wolle Tierleid weder verherrlichen noch inszenieren, entkräftet diese Kritik nicht. Entscheidend ist nicht allein die erklärte Absicht, sondern die tatsächliche Wirkung der Veranstaltung. Wer einen Ochsen am Spieß prominent bewirbt, sein „Einhängen“ ankündigt und seinen Anschnitt durch den Oberbürgermeister zelebriert, macht den Tierkörper objektiv zu einem Teil der Inszenierung.
Fleischkonsum ist hier nicht nur eine private Entscheidung
Der Musikverein bezeichnet den Konsum tierischer Lebensmittel als persönliche Entscheidung und verweist auf vegetarische und vegane Angebote.
Wir kritisieren nicht einzelne Besucherinnen und Besucher. Ein privates Gericht ist jedoch etwas anderes als ein öffentlich beworbenes und kommunal unterstütztes Familienfest, bei dem ein getötetes Tier Namensgeber, Werbemotiv und Gegenstand zweier Programmpunkte ist.
Auch zusätzliche pflanzliche Gerichte verändern diesen symbolischen Mittelpunkt nicht. Sie sind zu begrüßen, ersetzen aber keine grundsätzliche Weiterentwicklung des Festes.
Ehrenamt und Tierrechte sind kein Gegensatz
Nach Angaben des Musikvereins dient das Ochsenfest der Finanzierung der Vereinsarbeit und der Förderung von rund 80 jungen Musikerinnen und Musikern. Ohne das Fest sei die Existenz des Vereins gefährdet.
Das ehrenamtliche Engagement und die musikalische Jugendarbeit verdienen Anerkennung und Unterstützung. Wir fordern jedoch nicht die Abschaffung des Festes. Musik, Gemeinschaft und Vereinsfinanzierung sind auch ohne einen getöteten Ochsen als Schauobjekt und zeremoniellen Mittelpunkt möglich.
Die Gegenüberstellung „Ochsenfest wie bisher oder Gefährdung des Vereins“ greift deshalb zu kurz. Ein traditionsreiches Fest kann seinen Namen, sein gastronomisches Konzept und seine Rituale weiterentwickeln, ohne seinen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zweck aufzugeben.
Das Fest profitiert von kommunaler Unterstützung
Das Ochsenfest Poppenweiler wird in den Unterlagen der Stadt ausdrücklich als zweijährliches Traditionsfest geführt. Der Wirtschaftsausschuss hat die Unterstützungsmaßnahmen für diese Feste im Januar 2025 einstimmig verstetigt.
Die Regelung sieht unter anderem vor:
- eine Förderung von bis zu 2.500 Euro je Fest,
- den Erlass verschiedener städtischer Gebühren,
- vereinfachte Antrags- und Abrechnungsverfahren,
- Unterstützung bei Verkehrszeichenplänen und organisatorischen Abläufen.
In der gemeinsamen Stellungnahme wird bestätigt, dass das Ochsenfest die gleiche kulturelle Förderung wie andere Ludwigsburger Traditionsfeste erhält. Die konkrete Förderhöhe für 2026 und der Umfang der tatsächlich gewährten Gebührenerlasse wurden jedoch nicht genannt.
Die Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim unterstützen nach Angaben der Verantwortlichen den Familiennachmittag, die Kreissparkasse Ludwigsburg den Partyabend. Wir behaupten daher nicht, dass diese Gelder unmittelbar den Ochsen oder dessen Zubereitung finanzieren. Gleichzeitig werden beide Institutionen auf der Veranstaltungswebsite öffentlich als Hauptsponsoren des gesamten Ochsenfests präsentiert.
Öffentliche Unterstützung verpflichtet zu besonderer Verantwortung. Wer ein Familienfest mitträgt, sollte darauf hinwirken, dass kein Tierkörper zur Attraktion und zum Gegenstand einer feierlichen Zeremonie gemacht wird.
Unsere Forderungen bleiben bestehen
- Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht verzichtet beim Ochsenfest 2026 auf den zeremoniellen Ochsenanschnitt.
- Der Musikverein sagt das öffentliche „Ochseneinhängen“ und die Inszenierung des Anschnitts ab.
- Das nächste Fest wird ohne einen getöteten Ochsen als Namensgeber, Schauobjekt und Hauptattraktion weiterentwickelt.
- Stadt und kommunal geprägte Sponsoren knüpfen ihre zukünftige Unterstützung an eine entsprechende Neuausrichtung.
- An die Stelle des tierlichen Mittelpunktes tritt ein attraktives pflanzliches Festgericht.
Tradition ist nicht unveränderlich. Sie wird von Menschen gestaltet – und kann von Menschen verantwortungsvoll weiterentwickelt werden. Ein Musik- und Gemeinschaftsfest verliert seinen Wert nicht, wenn es auf die öffentliche Inszenierung eines getöteten Tieres verzichtet. Es gewinnt vielmehr die Chance, Menschen zu verbinden, ohne Tiere dafür zu töten und zu Objekten der Unterhaltung zu machen.
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Fordere den Verzicht 2026 und eine echte Neuausrichtung
Schreibe an Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht und den Musikverein Poppenweiler: Die öffentliche Tierinszenierung muss entfallen – und das Fest grundlegend weiterentwickelt werden.
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