Die Afrikanische Schweinepest gilt als Bedrohung für die Schweineindustrie. Doch die Maßnahmen treffen vor allem Wildtiere – und sind Teil eines Systems, das immer mehr Futtermittel und Tierproduktion hervorbringt.
Im Wald am Rand eines Maisfeldes sucht eine Wildschweinmutter mit ihren Jungen nach Nahrung. Solche Szenen gehören längst zum Alltag in vielen Regionen Baden-Württembergs. Doch für viele Wildschweine endet dieses Leben in Fallen – aufgestellt im Namen der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP).
Die Tierseuche gilt als wirtschaftliche Bedrohung für die Schweineindustrie. Für Menschen ist sie hingegen ungefährlich. Trotzdem werden Wildschweinbestände in Deutschland massiv reduziert – unter anderem durch sogenannte Schwarzwildfanganlagen, auch „Saufänge“ genannt.
Dabei gerät ein grundlegendes Problem aus dem Blick: Die steigenden Wildschweinpopulationen sind kein Zufall. Intensive Landwirtschaft, riesige Maisflächen für Futtermittel und milde Winter durch den Klimawandel schaffen ideale Bedingungen für die Tiere.
Die Folge ist ein paradoxes System: Landwirtschaftliche Strukturen lassen Wildschweinpopulationen wachsen – und anschließend werden die Tiere bekämpft, um die Risiken für die Tierindustrie zu begrenzen.
Als Organisation setzen wir uns dafür ein, diese Zusammenhänge sichtbar zu machen. Denn Wildtiere sterben hier nicht für den Schutz von Menschen, sondern vor allem für ein System der Tierausbeutung.
Warum es immer mehr Wildschweine gibt
Die Wildschweinpopulation in Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Noch Mitte der 1980er-Jahre wurden in Baden-Württemberg rund 7.000 Wildschweine pro Jahr bei der Jagd getötet. Heute sind es über 70.000.
Ein wichtiger Grund dafür liegt in der intensiven Landwirtschaft. Große Maisfelder bieten Wildschweinen reichlich Nahrung und gleichzeitig Schutz. Dabei wird der größte Teil dieses Maises nicht für Menschen angebaut, sondern als Futtermittel für landwirtschaftlich genutzte Tiere – insbesondere für die Schweinehaltung.
Ein Landwirtschaftssystem, das stark auf Tierproduktion ausgerichtet ist, schafft damit indirekt die Bedingungen für steigende Wildschweinpopulationen.
Fallenfang als Maßnahme gegen die Afrikanische Schweinepest
Um das Risiko der Afrikanischen Schweinepest zu reduzieren, werden Wildschweine vielerorts intensiv bejagt. Zusätzlich kommen sogenannte Schwarzwildfanganlagen – auch „Saufänge“ genannt – zum Einsatz.
Dabei handelt es sich um große Käfigfallen, die meist mit Ködern wie Mais bestückt werden. Wenn mehrere Tiere in die Anlage laufen, schließt sich die Falle. Anschließend werden die Wildschweine erschossen.
Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums stehen derzeit 26 sogenannte Schwarzwildfallen auf landeseigenen Staatswaldflächen in Baden-Württemberg. In diesen Anlagen wurden bereits 164 Wildschweine gefangen und getötet.
Die Fallen bestehen aus großen Käfiganlagen. Wenn eine Rotte hineinläuft, schließt sich die Tür. Die Tiere werden anschließend per Fernüberwachung erschossen. Kritiker berichten, dass dabei oft Panik ausbricht – besonders dann, wenn mehrere Tiere gleichzeitig in der Falle sind.
Wir haben das zuständige Ministerium zu diesen Maßnahmen befragt und werden weiterhin Informationen einfordern. Viele Fragen sind bislang unbeantwortet, etwa zu Kontrollintervallen, möglichen Beifängen oder zur tatsächlichen Wirksamkeit dieser Maßnahmen.
Die Afrikanische Schweinepest ist für Menschen ungefährlich. Für landwirtschaftlich genutzte Schweine kann sie jedoch tödlich sein. Ein Ausbruch hätte vor allem wirtschaftliche Folgen: Exportbeschränkungen und hohe Kosten für die Schweineindustrie. Denn die Schweine in der Fleischindustrie würden ja sowieso getötet werden.
Ein System, das Probleme selbst erzeugt
Der Umgang mit Wildschweinen zeigt ein grundlegendes Problem unseres Ernährungssystems.
Große Flächen landwirtschaftlicher Nutzflächen werden genutzt, um Futtermittel für die Tierproduktion anzubauen. Diese Felder bieten Wildschweinen ideale Lebensbedingungen.
Gleichzeitig trägt die Tierhaltung erheblich zum Klimawandel bei. Laut Welternährungsorganisation FAO verursacht die Haltung landwirtschaftlich genutzter Tiere rund 14,5 % der globalen Treibhausgasemissionen.
Mildere Winter und intensiver Futtermittelanbau begünstigen die Ausbreitung von Wildschweinen – und führen zu immer drastischeren Maßnahmen gegen diese Tiere.
Barrieren in der Landschaft: Wie ASP-Zäune Wildtiere gefährden
Im Zusammenhang mit der Afrikanischen Schweinepest werden in einigen Regionen auch Zäune errichtet, um die Bewegungen von Wildschweinen einzuschränken. Solche Barrieren können jedoch auch andere Wildtiere betreffen und Lebensräume zerschneiden.
Unsere Organisation hat deshalb beim Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg nachgefragt, ob systematisch erfasst wird, welche Folgen diese Zäune für Wildtiere haben – etwa durch verletzte Tiere, Totfunde oder blockierte Wanderwege.
Die Antwort der Kreisverwaltung: Ein spezielles Monitoring zu den Auswirkungen der ASP-Zäune auf Wildtiere ist nicht vorgesehen.
Hinweise würden lediglich über allgemeine Meldesysteme wie Polizei, Straßenmeistereien oder Jagdpächter erfasst.
Damit bleibt weitgehend unklar, welche Folgen diese Maßnahmen tatsächlich für Wildtiere haben.
Rehe, Füchse oder andere Tiere versuchen häufig, ihre gewohnten Wege durch den Lebensraum weiterhin zu nutzen. Dabei kann es passieren, dass sie versuchen, durch die Maschen zu schlüpfen oder den Zaun zu überwinden und sich dabei verletzen oder feststecken. Naturschutzorganisationen weisen deshalb darauf hin, dass lange Zäune Lebensräume zerschneiden und zusätzliche Risiken für viele Wildtierarten schaffen können.
Während diese Maßnahmen offiziell dem Schutz der Schweineindustrie vor der Afrikanischen Schweinepest dienen, tragen letztlich zahlreiche Wildtiere die Folgen – obwohl die Krankheit für Menschen ungefährlich ist.
Wenn Wildtiere sterben, damit ein System der Tierausbeutung stabil bleibt, stellt sich eine grundsätzliche Frage: Wie lange wollen wir dieses System noch aufrechterhalten? Ein nachhaltiger Ausweg liegt darin, Tierleid an der Wurzel zu reduzieren – durch eine Ernährung, die ohne Tierhaltung auskommt.
Was wir verändern müssen
Wildschweine werden in diesem System zu Opfern eines Problems, das sie nicht selbst verursacht haben.
Die Ursachen liegen vor allem in einer Landwirtschaft, die große Mengen Futtermittel für die Tierindustrie produziert und enorme ökologische Auswirkungen hat.
Eine pflanzliche Ernährung kann dazu beitragen, diesen Druck auf Umwelt und Tiere zu reduzieren. Weniger Tierhaltung bedeutet weniger Futtermittelanbau, weniger Klimabelastung – und langfristig auch weniger Konflikte zwischen Landwirtschaft und Wildtieren.
Deshalb setzen wir uns mit unserer Kampagne „Baden-Württemberg is(s)t vegan“ für eine pflanzenbasierte Ernährung und eine Landwirtschaft ein, die Tiere und Umwelt respektiert.
Denn eines sollte klar sein:
Wildtiere dürfen nicht länger für ein System leiden, das auf der Ausbeutung anderer Tiere basiert.
Mehr Informationen finden Sie in unserer Kampagne: https://tierrechte-bw.de/baden-wuerttemberg-isst-vegan/
Gemeinsam können wir dazu beitragen, dass Tiere – egal ob in Ställen oder in freier Wildbahn – nicht länger unter diesem System leiden.
Wir bleiben an dem Thema dran
Als Tierrechtsorganisation setzen wir uns dafür ein, dass das Leid von Wildtieren sichtbar wird.
Wir werden weiter beim Landwirtschaftsministerium nachfragen und Transparenz über den Einsatz von Schwarzwildfallen einfordern.
Denn klar ist:
Wildtiere dürfen nicht zu Opfern eines Systems werden, das auf der Ausbeutung anderer Tiere basiert.

