Wie wir Igel & Co. besser schützen können
Vor dem Haus einer unserer Mitarbeiterinnen lag heute Morgen ein überfahrener Igel. Ein Einzelschicksal – und doch kein Einzelfall. Tag für Tag sterben unzählige Wildtiere auf unseren Straßen. Die meisten Menschen nehmen diese Tragödien kaum wahr, dabei sind sie ein Symptom eines größeren Problems: Unser Verkehr, unsere Siedlungen und unsere Lebensweise zerschneiden die Lebensräume von Wildtieren und machen ihr Überleben immer schwerer.
Das unsichtbare Sterben auf unseren Straßen
In Deutschland verunglücken jedes Jahr etwa 300.000 Wildtiere im Straßenverkehr – das entspricht einem Unfall alle 90 Sekunden. Besonders häufig sind Rehe, Wildschweine und Füchse betroffen. Doch auch die kleineren Tiere, die nicht in der offiziellen Unfallstatistik auftauchen, leiden massiv:
Allein für Igel schätzen Fachleute eine Opferzahl von rund einer halben Million pro Jahr.
In Baden-Württemberg registrierte die Polizei zwischen 2021 und 2024 fast 76.500 Wildunfälle – im Schnitt knapp 19.000 pro Jahr. Die Dunkelziffer liegt deutlich höher, da die meisten kleineren Tiere gar nicht erfasst werden. Besonders kritisch sind Frühjahr und Herbst: In der Paarungszeit sowie bei der Futtersuche vor dem Winterschlaf überqueren Igel und viele andere Tiere vermehrt Straßen.
Warum gerade Igel so gefährdet sind
Igel haben ein uraltes Überlebensmuster: Bei Gefahr rollen sie sich zusammen und erstarren. Auf der Straße wird dieses Verhalten zur Falle – ein Auto können sie nicht „aussitzen“.
Hinzu kommt:
Zerschneidung der Lebensräume durch Straßen, Neubaugebiete und versiegelte Flächen.
Nahrungsmangel durch Pestizide, die Insekten töten.
Gefährliche Gärten: Mähroboter, offene Schächte oder Gifte werden für viele Igel zur Todesfalle.
Die Folge: Der Igel, der eigentlich als „Allerwelts-Tier“ gilt, steht inzwischen in vielen Regionen unter Druck.
Was jeder Einzelne tun kann
Es braucht nicht viel, um Igeln und anderen Wildtieren das Überleben zu erleichtern. Jeder kann sofort handeln:
Im Verkehr Rücksicht nehmen: In der Dämmerung und besonders im Herbst vorsichtiger fahren, Tempo reduzieren, an Hecken und Waldrändern aufmerksam sein.
Gärten igelfreundlich gestalten: Laub- und Reisighaufen liegen lassen, Durchgänge im Zaun schaffen (mindestens 10 cm breit), heimische Büsche pflanzen.
Keine Gifte einsetzen: Pestizide, Schneckenkorn oder Rattengift sind tödlich für Igel und ihr Nahrungsnetz.
Gefahrenquellen sichern: Mähroboter nicht nachts laufen lassen, Licht- und Kellerschächte abdecken, Pools mit Ausstiegen versehen.
Saisonale Achtsamkeit: Im Herbst keine Laubhaufen oder Komposte umsetzen, da Igel dort Winterschlaf halten.
Diese kleinen Schritte retten Leben – direkt vor unserer Haustür.
Was Politik und Kommunen tun müssen
Doch Verantwortung darf nicht allein bei Einzelnen liegen. Auch Politik und Kommunen müssen handeln:
Wildtierkorridore schaffen: Mehr Grünbrücken, Unterführungen und Querungshilfen, um Lebensräume wieder zu verbinden.
Tempo-30-Zonen & Warnschilder: In gefährdeten Bereichen wie Ortsrändern oder bekannten Igel-Hotspots.
Naturnahe Stadtgestaltung: Weg von Schottergärten, hin zu Grünflächen, Hecken und Wildblumenstreifen.
Monitoring und Forschung: Verlässliche Daten zu Wildtierverlusten sammeln, um gezielt gegenzusteuern.
Aufklärungskampagnen: Bürger:innen sensibilisieren, Schulen einbinden, Tipps für igelfreundliche Lebensräume verbreiten.
Unsere Forderungen als Menschen für Tierrechte BW
Wir fordern, dass der Schutz von Wildtieren stärker in Verkehrs- und Bauplanung integriert wird. Straßen und Neubauprojekte dürfen nicht länger Lebensräume zerschneiden, ohne dass Ausgleichsmaßnahmen wie Querungshilfen vorgesehen sind.
Wir setzen uns ein für:
Mehr Rücksicht im Straßenverkehr – auch durch politische Rahmenbedingungen.
Förderprogramme für igelfreundliche Gärten und kommunale Flächen.
Landesweite Aufklärungskampagnen zum Schutz von Wildtieren.
Schluss: Kleine Schritte, große Wirkung
Der überfahrene Igel vor unserer Haustür ist ein Mahnmal. Er erinnert uns daran, dass Wildtiere mitten unter uns leben – und dass unser Alltag ihr Überleben bestimmt.
👉 Jeder von uns kann etwas tun: vorsichtig fahren, Gärten naturnah gestalten, Gefahrenquellen beseitigen.
👉 Und die Politik muss endlich handeln: Straßen sicherer machen, Lebensräume vernetzen, Wildtiere ernsthaft schützen.
Nur wenn wir Betroffenheit in Handeln verwandeln, können wir verhindern, dass solche Bilder Alltag bleiben.

