Jedes Jahr zu Ostern werden in Museen und Bildungseinrichtungen Küken ausgebrütet und präsentiert. Wir halten diese Form der Darstellung für nicht mehr zeitgemäß.
Zur Osterzeit werden in Baden-Württemberg und darüber hinaus regelmäßig Küken in Brutkästen ausgebrütet und öffentlich präsentiert.
Was als „Naturerlebnis“ beworben wird, ist in Wirklichkeit ein künstlich hergestelltes Setting, das mit natürlichen Prozessen wenig zu tun hat.
Aus unserer Sicht gehören lebende Küken nicht in Ausstellungen.
Was beim Osterküken-Event passiert
- Eier werden künstlich im Brutapparat ausgebrütet
- Küken schlüpfen vor Publikum
- Tiere werden für begrenzte Zeit im Museum gehalten
- anschließend Rückgabe an einen landwirtschaftlichen Betrieb
Was dabei oft ausgeblendet wird
Solche Angebote vermitteln meist nur einen Ausschnitt der Realität.
Zentrale Aspekte der Tierhaltung und Zucht bleiben häufig unberücksichtigt oder werden nicht ausreichend eingeordnet.
🌸 Vereinfachtes Bild
„Süße Küken“ stehen im Fokus, während zentrale Zusammenhänge oft unsichtbar bleiben. Dies kann insbesondere bei einem häufig jungen Publikum zu einem idealisierten Bild der Eierindustrie beitragen.
❗ Fehlende Einordnung
Die Bedingungen, unter denen Hühner gehalten und genutzt werden, werden oft nicht ausreichend realistisch abgebildet.
🐣 Unnatürliches Setting
Küken werden ohne Muttertier ausgebrütet – anders als in der Natur, in der sie von einer Glucke geführt, gewärmt und geprägt werden.
🎭 Tiere als Mittel zum Zweck
Die Tiere werden gezielt für ein pädagogisches Erlebnis eingesetzt – sie sind Teil einer Inszenierung.
Natur wird gezeigt – aber nicht so, wie sie ist
In natürlichen Zusammenhängen wachsen Küken unter der Obhut ihrer Mutter auf. Die Glucke wärmt sie, schützt sie und führt sie durch ihre ersten Lebenstage.
In Küken-Ausstellungen hingegen werden Eier künstlich ausgebrütet und die Tiere unmittelbar nach dem Schlüpfen präsentiert. Sie werden dabei letztlich zur Unterhaltung – besonders zu Ostern – und zur angeblichen Bildung eingesetzt.
Das hat mit natürlicher Entwicklung wenig zu tun, wird aber dennoch als Naturerlebnis und Bildung verkauft.
🥚 Kein Zufall: Warum das alles zu Ostern passiert
Solche Angebote finden gezielt rund um Ostern statt – also genau dann, wenn Eier und ihre Nutzung besonders präsent sind.
Damit entsteht ein Zusammenhang zur Eierproduktion, oft ohne dass dieser offen benannt oder eingeordnet wird.
👉 Wenn es nur um die Entwicklung im Ei ginge, müssten solche Formate nicht an einen bestimmten Zeitpunkt im Jahr gebunden sein.
🔍 Und was passiert danach?
Häufig wird angegeben, dass die Küken nach der Ausstellung an einen landwirtschaftlichen Betrieb abgegeben werden – teilweise mit Formulierungen wie „auf den Hof ihrer Eltern“.
Diese Darstellung wirkt beruhigend.
Was sie konkret bedeutet, bleibt jedoch meist offen:
👉 Wie leben die Tiere dort?
👉 Werden sie genutzt?
👉 Wie lange leben sie?
Aus öffentlich zugänglichen Informationen ergibt sich in der Regel nicht, dass es sich um Orte handelt, an denen Tiere dauerhaft ohne Nutzung leben.
Warum das problematisch ist
Gerade für Kinder entsteht durch solche Formate leicht ein idealisiertes Bild:
Kleine Küken schlüpfen, wachsen ein wenig und gehen dann „zurück auf den Hof“.
Was dabei fehlt, ist die Einordnung der Realität, unter der Hühner gehalten werden. Selbst wenn diese ggf. thematisiert wird, rückt sie gegenüber den niedlichen und realen Küken in den Hintergrund.
👉 Die Darstellung bleibt auf der Oberfläche – und blendet zentrale Zusammenhänge aus.
Unsere Position
Wir halten solche Formate für nicht mehr zeitgemäß.
Die künstliche Ausbrütung und Präsentation von Küken in den ersten Lebenstagen steht im Widerspruch zu natürlichen Prozessen. Sie nimmt den Tieren das Recht auf ihre Mutter und meist werden auch sie nur,,erzeugt“, um anschließend von Menschen benutzt zu werden.
Gleichzeitig werden Tiere für ein Erlebnis genutzt und in einem Kontext gezeigt, der ein vereinfachtes und positives Bild vermittelt. Heutzutage könnte man Entwicklungen im Ei auch gut mit modernen Techniken wie Virtual Reality erlebbar machen.
Bildungsangebote sollten ohne den Einsatz lebender Tiere auskommen.
Es geht auch anders
Biologische Zusammenhänge lassen sich heute anschaulich und kindgerecht vermitteln – ohne Tiere einzusetzen:
- Digitale Simulationen und VR
- Filme und interaktive Formate
- Besuche an Orten, an denen Tiere dauerhaft ohne Nutzung leben
- Bildungsangebote, die Zusammenhänge vollständig und ehrlich darstellen
Zusätzlich halten wir es für sinnvoll, Menschen auch Alternativen zu Eiern vorzustellen. Ausführliche Informationen über die Eierindustrie finden Sie auf unserer Website.
📩 Jetzt aktiv werden
👉 Sie kennen ähnliche Angebote in Baden-Württemberg?
Dann melde Sie uns diese: info@tierrechte-bw.de
👉 Sie möchten selbst aktiv werden?
Wir stellen Ihnen eine Vorlage zur Verfügung, mit der Sie Bildungseinrichtungen kontaktieren können.
👉 Auch außerhalb von Baden-Württemberg können Sie sich so engagieren.
Gemeinsam können wir uns für Bildungsangebote einsetzen, die ohne Tiernutzung auskommen.
Vorlage: Küken-Ausstellungen ansprechen
Sie haben ein ähnliches Angebot entdeckt und möchten selbst aktiv werden?
Hier finden Sie eine Vorlage, die Sie an Museen, Schulen oder andere Veranstalter senden können.
👉 Sie können den Text einfach kopieren und bei Bedarf individuell anpassen.
MAIL-VORLAGE
Betreff: Küken-Ausstellung zu Ostern – Anregung zur Überprüfung des Formats
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich bin auf Ihr Angebot aufmerksam geworden, bei dem Küken im Rahmen einer Ausstellung bzw. eines Bildungsformats ausgebrütet und präsentiert werden.
Ich möchte Ihnen hierzu eine Rückmeldung geben, da ich solche Formate aus tierethischer Sicht kritisch sehe.
In natürlichen Zusammenhängen wachsen Küken unter der Obhut ihrer Mutter auf. Die künstliche Ausbrütung und Präsentation in den ersten Lebenstagen weicht hiervon deutlich ab.
Gerade wenn solche Angebote als „Naturerlebnis“ vermittelt werden, entsteht aus meiner Sicht ein Bild, das mit natürlichen Prozessen nur wenig zu tun hat.
Zudem stellt sich die Frage, wie der weitere Lebensweg der Tiere gestaltet ist und in welchem Umfang dies transparent gemacht wird.
Aus meiner Sicht gibt es heute zahlreiche Möglichkeiten, biologische Zusammenhänge anschaulich zu vermitteln – ohne den Einsatz lebender Tiere, etwa durch digitale Formate, Filme oder Besuche an geeigneten Orten.
Ich würde es daher sehr begrüßen, wenn Sie Ihr Angebot in dieser Hinsicht überdenken und alternative Bildungsformate in Betracht ziehen.
Vielen Dank für Ihre Zeit und Ihre Arbeit im Bildungsbereich.
Mit freundlichen Grüßen
[Name]

