Im Vorfeld der Landtagswahl am 8. März 2026 hat Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e. V. die im Landtag vertretenen Parteien sowie weitere zur Wahl antretende Parteien um Stellungnahmen zu zentralen Fragen des Tierschutzes und der Tierrechte gebeten.
Die Wahlprüfsteine betreffen Themen, die landespolitisch relevant sind – darunter Tierhaltung, Jagd und Wildtierschutz, Tierversuche, Tiertransporte, Stadttaubenprojekte, Tierheime, Verbandsklagerecht sowie der Umgang mit Tieren im öffentlichen Raum.
Ziel der Befragung ist es, Transparenz über die politischen Positionen der Parteien zu schaffen und Unterschiede in ihren Ansätzen sichtbar zu machen. Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e. V. spricht keine Wahlempfehlung aus. Die nachfolgende Darstellung dient der Information und soll Wählerinnen und Wählern eine sachliche Einordnung ermöglichen.
Wie wurden die Wahlprüfsteine erhoben?
Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e. V. hat die im Landtag vertretenen Parteien sowie die zur Wahl antretende Tierschutzpartei schriftlich um Stellungnahmen gebeten.
Die Parteien erhielten identische Fragen zu landespolitisch relevanten Themenbereichen. Die Antworten wurden fristgerecht eingereicht und werden nachfolgend in gekürzter Form zusammengefasst.
Die vollständigen Originalantworten sind am Ende dieses Beitrags abrufbar.
Wir sprechen keine Wahlempfehlung aus. Die Darstellung dient der Transparenz.
Thematische Übersicht der Parteipositionen
Im Folgenden werden die Positionen der Parteien zu zentralen Themenfeldern zusammengefasst dargestellt.
Tierhaltung & struktureller Ausstieg
Die Parteien wurden gefragt, ob sie sich für einen strukturellen Ausstieg aus tierhaltungsbasierten Systemen einsetzen und entsprechende Förderprogramme für pflanzliche Alternativen ausbauen wollen.
CDU
Die CDU Baden-Württemberg spricht sich nicht für einen strukturellen Ausstieg aus tierhaltungsbasierten Systemen aus. Sie betont die Bedeutung der landwirtschaftlichen Tierhaltung im Land und setzt auf Weiterentwicklung bestehender Haltungsstandards sowie auf technologische Innovationen. Ein gezielter politischer Schwerpunkt auf den Ausbau pflanzlicher Alternativen wird nicht formuliert.
Bündnis 90/Die Grünen
Bündnis 90/Die Grünen erkennen den Reformbedarf in der landwirtschaftlichen Tierhaltung an und betonen die Notwendigkeit höherer Tierschutzstandards sowie einer Reduzierung des Tierbestands. Sie sprechen sich für eine stärkere Förderung pflanzlicher Alternativen aus. Ein explizit formulierter vollständiger Systemausstieg wird jedoch nicht klar benannt.
SPD
Die SPD Baden-Württemberg setzt auf eine Weiterentwicklung der bestehenden Tierhaltungssysteme und eine Verbesserung der Haltungsbedingungen. Sie befürwortet die Förderung pflanzlicher Alternativen, formuliert jedoch keinen strukturellen Ausstieg aus tierhaltungsbasierten Systemen als politisches Ziel.
FDP
Die FDP lehnt einen strukturellen Ausstieg aus tierhaltungsbasierten Systemen ab. Sie betont marktwirtschaftliche Prinzipien und unternehmerische Freiheit in der Landwirtschaft. Staatliche Eingriffe zugunsten eines Systemwandels werden kritisch bewertet. Ein gezielter Ausbau pflanzlicher Alternativen wird nicht als Schwerpunkt dargestellt.
Die Linke
Die Linke spricht sich für eine deutliche Reduzierung der industriellen Tierhaltung aus und fordert einen grundlegenden Umbau der Agrarpolitik. Sie unterstützt die Förderung pflanzlicher Alternativen und sieht darin einen wichtigen Bestandteil eines langfristigen Transformationsprozesses.
PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ (Tierschutzpartei)
Die Tierschutzpartei befürwortet einen klaren strukturellen Ausstieg aus tierhaltungsbasierten Systemen und setzt sich für eine konsequente Förderung pflanzlicher Alternativen ein. Sie formuliert das Ziel einer grundlegenden Transformation des Agrar- und Ernährungssystems hin zu tierfreien Strukturen.
AfD
Die AfD lehnt einen strukturellen Ausstieg aus tierhaltungsbasierten Systemen ausdrücklich ab. Sie bezeichnet die Nutztierhaltung als Bestandteil regionaler Landwirtschaft, Wertschöpfung und Ernährungssicherheit und spricht sich gegen eine staatlich gelenkte Umstellung aus. Pflanzliche Alternativen sollen sich nach ihrer Auffassung über Marktnachfrage entwickeln, nicht durch gezielte politische Steuerung oder Förderprogramme forciert werden.
Verbandsklagerecht & staatlicher Vollzug im Tierschutz
Setzen sich die Parteien für eine Stärkung des Verbandsklagerechts im Tierschutz sowie für eine effektivere Kontrolle und Durchsetzung bestehender Tierschutzvorschriften ein?
CDU
Die CDU verweist auf bestehende Kontrollmechanismen im Tierschutz und sieht den Vollzug primär als staatliche Aufgabe. Eine deutliche Ausweitung des Verbandsklagerechts wird nicht befürwortet. Der Fokus liegt auf Optimierung des Verwaltungsvollzugs innerhalb der bestehenden Strukturen.
Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen befürworten eine Stärkung des Tierschutzes im Vollzug und zeigen sich offen für weitergehende Instrumente, die Transparenz und Kontrolle verbessern. Das Verbandsklagerecht wird grundsätzlich positiv bewertet.
SPD
Die SPD spricht sich für eine effektivere Durchsetzung des Tierschutzrechts aus und sieht Verbesserungsbedarf im Vollzug. Eine Stärkung zivilgesellschaftlicher Beteiligungsmöglichkeiten wird nicht ausgeschlossen.
FDP
Die FDP lehnt eine Ausweitung des Verbandsklagerechts ab und betont die Zuständigkeit staatlicher Behörden. Zivilgesellschaftliche Klageinstrumente werden kritisch gesehen.
Die Linke
Die Linke spricht sich ausdrücklich für ein Verbandsklagerecht im Tierschutz aus und fordert eine stärkere Kontrolle sowie wirksamere Sanktionen bei Verstößen.
AfD
Die AfD lehnt das Verbandsklagerecht ab und sieht die Durchsetzung des Tierschutzrechts ausschließlich bei staatlichen Behörden. Eine Erweiterung zivilgesellschaftlicher Klagemöglichkeiten wird nicht befürwortet.
PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ (Tierschutzpartei)
Die Tierschutzpartei befürwortet ein umfassendes Verbandsklagerecht im Tierschutz und setzt sich für eine deutliche Stärkung von Kontroll- und Sanktionsmöglichkeiten ein.
Jagd & Wildtierpolitik
Wie positionieren sich die Parteien zur Reform des Jagdrechts, zu nicht-tödlichen Alternativen der Bestandsregulierung sowie zur Rolle der Jagd im Wildtiermanagement?
CDU
Die CDU betrachtet die Jagd als notwendigen Bestandteil des Wildtiermanagements und der Landnutzung. Sie betont die Rolle der Jägerschaft bei der Regulierung von Beständen sowie beim Natur- und Artenschutz. Eine grundlegende Reform mit Einschränkung der Jagdpraxis wird nicht befürwortet.
Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen sehen die Jagd als Instrument des Wildtiermanagements, insbesondere zur Regulierung von Beständen. Gleichzeitig sprechen sie sich für eine stärkere Orientierung an ökologischen Kriterien sowie für mehr Tierschutz im Jagdrecht aus. Nicht-tödliche Maßnahmen werden als ergänzende Ansätze diskutiert.
SPD
Die SPD erkennt die Jagd als Bestandteil des Wildtiermanagements an. Reformen sollen sich am Tierwohl und an ökologischen Kriterien orientieren. Ein grundsätzlicher Systemwechsel hin zu überwiegend nicht-tödlichen Maßnahmen wird nicht formuliert.
FDP
Die FDP verteidigt die Jagd als traditionelles und fachlich begründetes Instrument der Bestandsregulierung. Nicht-tödliche Alternativen werden nicht als Ersatz der Jagd gesehen. Eingriffe in bestehende jagdrechtliche Strukturen werden kritisch bewertet.
Die Linke
Die Linke spricht sich für eine stärkere Regulierung der Jagd aus und fordert Einschränkungen bestimmter Jagdformen. Tierschutzaspekte sollen stärker berücksichtigt werden. Die Jagd als Instrument der Bestandsregulierung wird jedoch nicht grundsätzlich in Frage gestellt.
AfD
Die AfD befürwortet die Jagd als notwendiges Mittel zur Bestandsregulierung und lehnt Einschränkungen der Jagdpraxis ab. Nicht-tödliche Alternativen werden nicht als gleichwertiger Ersatz betrachtet.
PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ (Tierschutzpartei)
Die Tierschutzpartei stellt die Jagd grundsätzlich in Frage und spricht sich für eine deutliche Einschränkung beziehungsweise langfristige Abschaffung aus. Nicht-tödliche Alternativen zur Bestandsregulierung sollen prioritär geprüft und gefördert werden.
Tierversuche & Förderung tierfreier Forschung
Wie positionieren sich die Parteien zu Tierversuchen sowie zur Förderung tierfreier Alternativmethoden in Forschung und Ausbildung?
CDU
Die CDU hält Tierversuche unter den bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen für notwendig, insbesondere in der medizinischen Forschung. Sie betont die Einhaltung des 3R-Prinzips (Replace, Reduce, Refine). Ein grundsätzlicher Ausstieg wird nicht angestrebt.
Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen setzen sich für eine deutliche Reduzierung von Tierversuchen und eine verstärkte Förderung tierfreier Alternativmethoden ein. Ziel ist eine schrittweise Abkehr von Tierversuchen, wo wissenschaftlich möglich. Ein sofortiger genereller Ausstieg wird jedoch nicht formuliert.
SPD
Die SPD spricht sich für eine konsequente Anwendung des 3R-Prinzips aus und will Alternativmethoden stärker fördern. Tierversuche sollen reduziert werden, bleiben jedoch unter bestimmten Voraussetzungen zulässig.
FDP
Die FDP sieht Tierversuche als notwendigen Bestandteil der Forschung an und warnt vor Einschränkungen, die die Wettbewerbsfähigkeit des Forschungsstandorts beeinträchtigen könnten. Alternativmethoden sollen gefördert werden, jedoch nicht als Ersatz, solange sie wissenschaftlich nicht gleichwertig sind.
Die Linke
Die Linke fordert eine deutliche Reduzierung von Tierversuchen mit dem Ziel, diese langfristig zu überwinden. Die Förderung tierfreier Methoden soll ausgebaut und staatlich priorisiert werden.
AfD
Die AfD erkennt Tierversuche als Bestandteil wissenschaftlicher Forschung an und lehnt weitgehende Einschränkungen ab. Die Einhaltung bestehender Tierschutzvorgaben wird betont, ein struktureller Ausstieg wird nicht angestrebt.
PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ (Tierschutzpartei)
Die Tierschutzpartei fordert die Abschaffung von Tierversuchen und eine umfassende staatliche Förderung tierfreier Forschung sowie eine konsequente Umstellung in Ausbildung und Wissenschaft.
Tiertransporte & Exporte in Drittstaaten
Wie positionieren sich die Parteien zu Tiertransporten, insbesondere zu Exporten lebender Tiere in Drittstaaten außerhalb der EU?
CDU
Die CDU betont die Einhaltung bestehender europäischer Vorschriften für Tiertransporte. Ein generelles landesweites Verbot von Drittstaatenexporten wird nicht befürwortet. Verbesserungen sollen vor allem auf europäischer Ebene erreicht werden.
Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen sprechen sich für strengere Regelungen bei Tiertransporten aus und lehnen Exporte in Drittstaaten ohne vergleichbare Tierschutzstandards ab. Sie sehen Handlungsbedarf sowohl auf EU- als auch auf nationaler Ebene.
SPD
Die SPD unterstützt eine deutliche Verschärfung der Regeln für Tiertransporte und spricht sich gegen Exporte in Drittstaaten aus, wenn dort keine vergleichbaren Tierschutzstandards gewährleistet sind.
FDP
Die FDP lehnt nationale Alleingänge ab und sieht die Regulierung von Tiertransporten primär auf europäischer Ebene. Ein landesweites Verbot wird nicht befürwortet.
Die Linke
Die Linke fordert ein Verbot von Lebendtiertransporten in Drittstaaten und setzt sich für deutlich strengere Kontrollen ein.
AfD
Die AfD lehnt Exporte in Drittstaaten ohne vergleichbare Tierschutzstandards ab, betont jedoch zugleich die Bedeutung landwirtschaftlicher Betriebe und warnt vor pauschalen Verboten ohne praktikable Alternativen.
PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ (Tierschutzpartei)
Die Tierschutzpartei fordert ein vollständiges Verbot von Lebendtiertransporten in Drittstaaten sowie eine grundsätzliche Reduktion von Tiertransporten.
Stadttauben & kommunaler Tierschutz
Wie positionieren sich die Parteien zu betreuten Taubenschlägen mit Eiaustausch sowie zu landesweiten Unterstützungsprogrammen für ein tierschutzgerechtes Stadttaubenmanagement?
CDU
Die CDU sieht das Management von Stadttauben primär als Aufgabe der Kommunen. Landesweite verpflichtende Programme oder Förderstrukturen werden nicht klar benannt. Maßnahmen sollen vor Ort im Rahmen kommunaler Zuständigkeit geregelt werden.
Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen zeigen sich grundsätzlich offen für betreute Taubenschläge als tierschutzgerechtes Instrument zur Bestandsregulierung. Eine landesweite Verpflichtung wird jedoch nicht explizit formuliert; die Verantwortung wird überwiegend auf kommunaler Ebene gesehen.
SPD
Die SPD befürwortet tierschutzgerechte Lösungen im Umgang mit Stadttauben, einschließlich betreuter Taubenschläge. Eine stärkere Unterstützung durch das Land wird grundsätzlich positiv bewertet.
FDP
Die FDP sieht Stadttaubenprobleme als kommunale Angelegenheit und lehnt landesweite verpflichtende Programme ab. Staatliche Förderprogramme werden zurückhaltend beurteilt.
Die Linke
Die Linke unterstützt betreute Taubenschläge und spricht sich für eine stärkere landesweite Unterstützung tierschutzgerechter Maßnahmen aus.
AfD
Die AfD sieht die Zuständigkeit primär bei den Kommunen und lehnt landesweite Verpflichtungen oder zusätzliche Programme ab.
PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ (Tierschutzpartei)
Die Tierschutzpartei spricht sich für landesweite Programme zur Einrichtung betreuter Taubenschläge mit Eiaustausch aus und sieht darin ein tierschutzgerechtes Instrument zur Bestandsregulierung.
Tiernutzung im öffentlichen Raum (Zirkus, lebendige Krippen, Veranstaltungen)
Wie positionieren sich die Parteien zur Nutzung von Tieren bei öffentlichen Veranstaltungen, insbesondere bei lebendigen Krippen, Zirkussen oder touristischen Angeboten?
CDU
Die CDU betont die Bedeutung von Tradition, Brauchtum und kulturellen Veranstaltungen. Pauschale Verbote werden nicht befürwortet. Der Fokus liegt auf der Einhaltung bestehender tierschutzrechtlicher Vorgaben.
Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen zeigen sich offen für strengere Maßstäbe bei der Nutzung von Tieren im öffentlichen Raum. Insbesondere bei Wildtieren im Zirkus werden Einschränkungen befürwortet. Pauschale Verbote traditioneller Veranstaltungen werden jedoch nicht generell formuliert.
SPD
Die SPD spricht sich für höhere Tierschutzstandards bei Veranstaltungen mit Tieren aus. Eine Nutzung von Wildtieren im Zirkus wird kritisch gesehen. Traditionelle Formate werden differenziert betrachtet.
FDP
Die FDP lehnt generelle Verbote von Tiernutzung bei Veranstaltungen ab und betont die Bedeutung von Tradition und unternehmerischer Freiheit. Bestehende tierschutzrechtliche Vorschriften werden als ausreichend angesehen.
Die Linke
Die Linke fordert ein Verbot von Wildtieren im Zirkus und spricht sich für deutliche Einschränkungen bei der Nutzung von Tieren zu Unterhaltungszwecken aus.
AfD
Die AfD lehnt Verbote traditioneller Veranstaltungen mit Tieren ab und betont kulturelle Aspekte. Einschränkungen über bestehende Regelungen hinaus werden nicht befürwortet.
PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ (Tierschutzpartei)
Die Tierschutzpartei fordert ein Verbot der Nutzung von Tieren zu Unterhaltungszwecken, einschließlich Wildtieren im Zirkus sowie lebendiger Krippen.
Tierheime, Zucht & Katzenschutz
Wie positionieren sich die Parteien zur Unterstützung von Tierheimen, zu landesweiten Katzenschutzverordnungen sowie zu einer Einschränkung der gewerblichen Zucht angesichts überfüllter Tierheime?
CDU
Die CDU betont die Bedeutung ehrenamtlicher Strukturen und kommunaler Verantwortung im Bereich Tierheime. Eine landesweit verpflichtende Katzenschutzverordnung oder weitgehende Zuchteinschränkungen werden nicht ausdrücklich befürwortet.
Bündnis 90/Die Grünen
Die Grünen unterstützen Maßnahmen zur Entlastung von Tierheimen sowie kommunale Katzenschutzverordnungen. Eine stärkere Regulierung der Zucht wird grundsätzlich positiv bewertet.
SPD
Die SPD spricht sich für eine bessere Unterstützung von Tierheimen aus und befürwortet Maßnahmen zur Eindämmung unkontrollierter Vermehrung. Landesweite Regelungen werden nicht ausgeschlossen.
FDP
Die FDP sieht die Verantwortung primär bei Kommunen und privaten Trägern. Landesweite Eingriffe in Zucht oder verpflichtende Regelungen werden kritisch beurteilt.
Die Linke
Die Linke fordert eine stärkere finanzielle Unterstützung von Tierheimen, landesweite Katzenschutzverordnungen sowie eine strengere Regulierung gewerblicher Zucht.
AfD
Die AfD betont die Bedeutung bestehender Regelungen und sieht keinen Bedarf für weitreichende zusätzliche Eingriffe auf Landesebene.
PARTEI MENSCH UMWELT TIERSCHUTZ (Tierschutzpartei)
Die Tierschutzpartei fordert landesweite Katzenschutzverordnungen, eine stärkere finanzielle Unterstützung von Tierheimen sowie Einschränkungen der Zucht, solange Tiere in Tierheimen auf ein Zuhause warten.
Vollständige Antworten der Parteien im Wortlaut
Nachfolgend finden Sie die vollständigen, unveränderten Antworten der Parteien auf unsere Wahlprüfsteine zur Landtagswahl 2026 in Baden-Württemberg.
Die hier im Beitrag dargestellten Zusammenfassungen dienen der besseren Übersicht und Einordnung. Maßgeblich sind die Originaldokumente.
CDU Baden-Württemberg
1.
Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, dass in Baden-Württemberg wissenschaftlich fundierte, nicht-tödliche Alternativen zur Jagd erforscht, erprobt und gefördert werden und das Jagdrecht mit dem Ziel reformiert wird, Tierleid – etwa durch Drückjagden oder Hobbyjagd – deutlich zu reduzieren?
Ein zentrales Ziel der Jagd und des Wildtiermanagements besteht darin, gesunde und stabile heimische Wildtierpopulationen zu erhalten und zu entwickeln. Dies geschieht unter Berücksichtigung gesellschaftlicher, ökologischer und ökonomischer Faktoren. Auch die immer deutlicher werdenden Auswirkungen des Klimawandels sind dabei entsprechend zu berücksichtigen. Ziel ist es, dass diese Populationen in einem angemessenen Verhältnis zur Leistungs- und Funktionsfähigkeit des Naturhaushalts und den landeskulturellen Verhältnissen stehen.
Darüber hinaus dient die Jagd dem Schutz bedrohter Wildtierarten, der Stärkung ihrer Populationen und der Erhaltung und Verbesserung ihrer Lebensräume. Ein weiteres wichtiges Ziel ist die Sicherung der biologischen Vielfalt. Der weit überwiegende Teil der Gesellschaft ist daher der Überzeugung, dass die Jagd eine naturnahe und nachhaltige Notwendigkeit ist.
Eine geregelte Jagdausübung dient auch der Vermeidung von Beeinträchtigungen, die durch Wildtiere an land-, forst- und fischereiwirtschaftlichen Nutzungen entstehen können. Durch die Jagd wird auch das Entstehen von klimastabilen Wäldern unterstützt. Darüber hinaus ermöglicht die Jagd die Gewinnung von hochwertigen Lebensmitteln, was einen wichtigen Beitrag zur Nahrungsmittelversorgung darstellt.
Nach wissenschaftlicher Auffassung werden auch Drückjagden / Bewegungsjagden als schonende und gleichzeitig effektive Jagdmethode angesehen.
Das Jagdrecht in Baden-Württemberg werden wir kontinuierlich wissens- und faktenbasiert unter Beteiligung von Wildforschungseinrichtungen weiterentwickeln. So haben wir z.B. für die Lösung von Wildtier-Mensch Konflikten in urbanen Räumen nicht letale Vergrämungsmaßnahmen evaluiert und das Instrument der Stadtjäger weiterentwickelt. Hier stehen nicht letale Präventionsmaßnahmen im Vordergrund. Darüber hinaus haben wir uns dafür eingesetzt, dass Arten wie Biber und Saatkrähe, die eines Managements bedürfen, dem Jagd- und Wildtiermanagementgesetz (JWMG) unterstellt werden. Denn das JWMG hat nicht nur die Regelung der Jagdausübung zum Ziel, sondern ebenso gesunde und stabile Wildtierpopulationen, den Schutz bedrohter Tierarten und auch den Tierschutz.
2.
Setzt sich Ihre Partei dafür ein, dass das Staatsziel Tierschutz in Baden-Württemberg auch bei Zielkonflikten mit wirtschaftlichen Interessen verbindlich Vorrang erhält?
Das Staatsziel Tierschutz ist ein allgemeiner Auftrag an den Staat, insbesondere im Rahmen der Rechtsetzung, die Belange des Tierschutzes angemessen zu berücksichtigen. Auch die Landesverfassung Baden-Württemberg achtet und schützt die Tiere als Lebewesen und Mitgeschöpfe im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung.
Das Tierschutzrecht ist jedoch weitgehend EU- und/oder Bundesrecht, für das zunächst der Bund zuständig ist. Das Land beteiligt sich im Rahmen der Rechtsetzung überwiegend im Rahmen der Beratungen im Bundesrat.
Auf Landesebene wollen wir den Tierschutz insbesondere im Rahmen von Programmen, im Vollzug, in der Aus-, Fort- und Weiterbildung und durch Fördermöglichkeiten für Tierhaltungen, Tierheime, aber auch Schlachtbetriebe sowie im Rahmen der Fortführung der Tierschutzstrategie des Landes berücksichtigen. Auch im Rahmen der jagdlichen Gesetzgebung ist der Tierschutz ein wesentlicher Bestandteil, den wir im Rahmen der Rechtssetzung auf Landesebene weiterverfolgen werden.
3.
Plant Ihre Partei eine personelle und strukturelle Stärkung der Kontroll- und Vollzugsbehörden und wird sie sich zugleich dafür einsetzen, dass anerkannte Tierschutzorganisationen über wirksame rechtliche Instrumente – etwa ein Verbandsklagerecht – verfügen, um bestehendes Tierschutzrecht durchzusetzen?
Die Personalstärke der Kontroll- und Vollzugsbehörden wurde in den letzten Jahren bereits erheblich verstärkt. Eine weitere Aufstockung werden wir im Rahmen des Bedarfs sowie der finanziellen Möglichkeiten verfolgen.
4.
Wird sich Ihre Partei für einen strukturellen Ausstieg aus tierhaltungsbasierten Systemen einsetzen und entsprechende Förderprogramme für pflanzliche Alternativen ausbauen?
Nein, die tierische Erzeugung ist wichtiger Bestandteil der Landwirtschaft in Baden-Württemberg.
5.
Wird sich Ihre Partei für die gezielte Förderung tierversuchsfreier und serumfreier Forschung in Baden-Württemberg einsetzen?
Wir werden uns im Rahmen der Weiterentwicklung von EU- und bundesrechtlichen Vorschriften im Sinne des 3R-Prinzips (replace, reduce, refine) für die Reduzierung von Eingriffen und Behandlungen an Tieren sowie die Weiterentwicklung und Anwendung tierfreier Verfahren in der Forschung und Lehre einsetzen.
6.
Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, die Nutzung von Tieren zu Unterhaltungs-, Dekorations- oder Werbezwecken – etwa bei lebendigen Krippen, Märkten, touristischen Angeboten oder in Zirkussen – in Baden-Württemberg zu beenden und rechtlich zu untersagen?
Hierfür wären bundesrechtliche Vorgaben erforderlich; wir werden entsprechende Überlegungen auf Bund-Länder Ebene zu Beschränkungen der Nutzung bestimmter gefährlicher bzw. besonders belasteter Tierarten im Rahmen der Zurschaustellung begleiten.
7.
Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, schmerzhafte Eingriffe und Verstümmelungen an landwirtschaftlich genutzten Tieren – wie das routinemäßige Kürzen von Schnäbeln bei Puten – konsequent zu untersagen, da sie der Anpassung der Tiere an nicht tierschutzgerechte Haltungssysteme dienen und strukturelles Tierleid verursachen?
Hierzu wird auf die bereits bestehenden EU- und bundesrechtlichen Regelungen verwiesen – insb. die §§ 5 und 6 des Tierschutzgesetzes enthalten differenzierte Regelungen mit zahlreichen Beschränkungen bei Eingriffen an Nutztieren.
8.
Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, die gezielte Ausbeutung von Hunden durch organisierte Strukturen – etwa zur Einnahmenerzielung im öffentlichen Raum – wirksam zu unterbinden und Kommunen sowie Behörden hierfür klare rechtliche Instrumente und Ressourcen zur Verfügung zu stellen? (Dabei geht es ausdrücklich nicht um Menschen in prekären Lebenslagen mit eigenen Tieren, sondern um organisierte Formen der Ausbeutung.)
Die Veterinärdienststellen der unteren Verwaltungsbehörden können Kommunen in diesem Bereich unterstützen, soweit Fragen des Tierschutzes betroffen sind. Wir werden uns dafür einsetzen, dass diese weiterhin mit den erforderlichen Fachkräften ausgestattet sind.
Planungen der Bundesregierung zum Verbot von Handel mit Haus- und Heimtieren im öffentlichen Raum sowie anonym und online werden wir unterstützen.
9.
Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, Tiertransporte aus Baden-Württemberg in Drittstaaten, in denen keine mit der EU vergleichbaren Tierschutzstandards gelten, zu beenden und entsprechende Genehmigungen konsequent zu untersagen?
Wir werden uns auf Bundes- und EU-Ebene dafür einsetzen, dass wirksame rechtliche Regelungen bestehen, um den Schutz von Tieren beim Transport, insbesondere auf Langstreckentransporten, zu verbessern. Auf Landesebene werden wir uns dafür einsetzen, dass die für die Kontrolle zuständigen Behörden weiterhin mit den erforderlichen Fachkräften ausgestattet sind.
10.
Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, Wildtiere in Baden-Württemberg besser vor den Folgen von Straßenverkehr, der Zerschneidung ihrer Lebensräume sowie lärmintensiven und feuerbasierten Veranstaltungen (z. B. private Feuerwerke oder Osterfeuer) zu schützen und bei der Verwendung öffentlicher Mittel einen stärkeren Schwerpunkt auf den Schutz heimischer Wildtiere und ihrer Lebensräume (z. B. Wildtierbrücken, Biotopvernetzung) zu legen?
Mit dem Generalwildwegeplan steht den Planungsbehörden ein wissenschaftlich basiertes Instrument zur Verfügung, das ermöglicht, die Durchlässigkeit von Wildtierkorridoren zu berücksichtigen. Ein wichtiges Instrument zur Vernetzung von Wildtierlebensräumen sind dabei für uns die Grünbrücken.
Maßnahmen zur Reduktion von Wildunfällen werden derzeit bereits in zwei Modellregionen getestet und wissenschaftlich evaluiert. Durch die Wildunfallstatistik werden Unfallschwerpunkte im Land identifiziert. Wir werden uns dafür einsetzen, dass aus den gewonnenen Informationen effiziente Maßnahmen abgeleitet werden, die zum Schutz unserer heimischen Wildtiere beitragen, und uns dafür einsetzen, die Pilotprojekte auf weitere Kreise auszuweiten.
11.
Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, Kommunen in Baden-Württemberg beim Aufbau eines flächendeckenden, tierschutzgerechten Stadttaubenmanagements zu unterstützen – insbesondere durch betreute Taubenschläge mit Eiaustausch – und solange diese nicht ausreichend vorhanden sind, auch kontrollierte Fütterungsstellen als Übergangslösung zu ermöglichen?
Das Stadttaubenmanagement ist eine kommunale Aufgabe. Durch den Landesbeirat für Tierschutz Baden-Württemberg wurden bereits Empfehlungen erarbeitet, die zur Vermeidung der unkontrollierten Vermehrung freilebender Tauben in Städten dienen. Auch der Landesbeauftragten für Tierschutz steht den zuständigen Kommunen und Bürgern als Ansprechpartner zur Verfügung.
12.
Unterstützt Ihre Partei politische Maßnahmen, um den Verbrauch tierischer Produkte (z. B. Pelz, Leder, Wolle) zu reduzieren und tierfreie Alternativen gezielt zu fördern?
Tierhäute und Wolle fallen in der tierischen Erzeugung an, die Verwertung/Verarbeitung zu hochwertigen Produkten ist sinnvoll. Wir sehen jedoch insbesondere die Erzeugung und Verwertung von Pelzen, von Tieren, die oftmals unter widrigen Bedingungen gehalten werden, kritisch und begleiten sowohl Überlegungen zum EU-weiten Ausstieg aus der Pelztierhaltung als auch Beschränkungen der Einfuhr sowie der eindeutigen Deklaration von tierischen Bestandteilen von Textilien. Eine Haltung von Pelztieren findet in Baden-Württemberg nicht statt. Tierfreie Alternativen zu den genannten Produkten sind umfassend verfügbar.
13.
Wird sich Ihre Partei dafür einsetzen, Tierheime in Baden-Württemberg strukturell und finanziell besser zu unterstützen, landesweit verbindliche Katzenschutzverordnungen auszubauen und die Zucht von Tieren so zu regulieren oder zu untersagen, dass sie nicht weiter zur Überfüllung von Tierheimen beiträgt, solange dort massenhaft Tiere auf ein Zuhause warten?
Wir setzen uns dafür ein, dass Tierheime auch weiterhin finanziell im Rahmen der VwV Tierschutzmaßnahmen bei Baumaßnahmen, der Anschaffung von Ausstattung und Geräten sowie im Rahmen der Kastration freilebender Katzen unterstützt werden.
