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Sezierung von Tieren

Sezierung von Tieren und ihren Körperteilen im Unterricht

Wir wollen Baden-Württembergs Schulen tierfreundlicher machen.
Nach wie vor wird von Schülerinnen und Schülern an einigen Schulen das Sezieren eines Tieres verlangt. Moderner Biologieunterricht geht anders finden wir.
Daher haben wir schon mehrfach öffentlich dazu aufgerufen, uns Schulen anonym zu melden, an denen Tiere seziert werden. Diese kontaktieren wir dann, wie Sie es in dem unten stehenden Brief nachlesen können. 
Diesen Brief veröffentlichen wir hier auch, damit Sie ihn als Inspiration oder zum Kopieren (bitte auf nötige Anpassungen achten) nutzen können, falls Sie selbst  an eine Schule schreiben möchten, welche weiterhin Tiere seziert. 

                                                                                                                                     Stuttgart, 28. September 2023

Betreff: Sezierung von Tieren und ihren Körperteilen im Unterricht

Sehr geehrter ...,


ich schreibe Ihnen im Namen von Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e.V., einem gemeinnützigen Verein, der sich bereits seit 1983 erfolgreich für die Rechte der Tiere einsetzt. Im Rahmen unserer landesweiten Erhebung zum Sezieren im gymnasialen Unterricht, wurden wir von Schüler*innen Ihrer Schule und der Elternschaft darüber informiert, dass am ... noch Fische und Rinderaugen seziert werden.

Wir verstehen, dass es zu den Aufgaben der Biologielerhrer*innen gehört, ihren Schüler*innen anatomische und physiologische Zusammenhänge begreifbar zu machen. Dafür sollten und müssen heutzutage aber keine Tiere mehr sterben.
Selbst wenn es sich bei den Rinderaugen um sogenannte "Schlachtabfälle" handeln sollte, so wird den Schüler*innen leider fälschlicherweise auch vermittelt, dass es  scheinbar in Ordnung ist, an Tieren herumzuexperimentieren und sie dann im Müll zu entsorgen - eine obsolete Sichtweise, die weder auf moderner Wissenschaft basiert, noch ethische Werte an die junge Generation vermittelt.

Im Gegenteil: Wissenschaftler*innen haben uns gezeigt, dass Fische, Rinder und andere Tiere empfindungsfähige und soziale Lebewesen mit ureigensten Interessen sind, die wir berücksichtigen müssen. Beim Sezieren jedoch werden Tiere zu Objekten degradiert, die man nach Belieben töten und aufschneiden kann. Diese veraltete Denkweise verharmlost den Missbrauch von Tieren, inklusive des Einsatzes von Tieren im Biologieunterricht.

Die ethische Behandlung von Tieren wird in unserer Gesellschaft zunehmend eingefordert, auch auf Basis der neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse. Damit wächst auch die Ablehnung des Einsatzes von Tieren in der Lehre, was sich auch in EU-Richtlinie 63/2010 zeigt, in welcher es heißt: “Tierversuche auf lange Sicht zu beenden und wenn möglich, alternative, tierfreie Methoden zum Einsatz kommen zu lassen“.

Wir möchten Sie daher bitten, auch Ihren Schüler*innen moderne Werte zu vermitteln und auf tierfreie Alternativen umzusteigen. Dafür gibt es mittlerweile moderne und virtuelle Computerprogramme und Apps sowie lebensechte Modelle, wie zum Beispiel den SynFrog von SynDaver.

Welchen wissenschaftlichen Nutzen soll ein Kind daraus ziehen, in ein Kuhauge zu sehen, das zuvor unendlich viel Leid erfahren hat?
Oder einen Fisch zu sezieren, der qualvoll in einem Netz erstickt ist?
Ein modernes Computerprogramm hingegen begeistert ausnahmslos alle Kinder in einer Klasse, sodass niemand aus dem Unterricht geschickt wird und alle Kinder viel besser lernen, wie ein Auge aufgebaut ist oder wie faszinierend ein Fischkörper ist. Vielleicht kann ein virtuelles Programm auch Lerninhalte darüber vermitteln, auf was für vielfältige Arten Fische Laute von sich geben und welche Rolle die Anatomie dabei spielt. Beim Sezieren ist das leider unmöglich.

Im August 2023 stieß der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes eine historische Veränderung im Umgang mit unserer Umwelt und den Tieren an. In diesem Rahmen haben die Vereinten Nationen auch erstmalig den Tierschutz in einer rechtlich bindenden Menschenrechtskonvention erwähnt und das Recht von Kindern vor Gewalt an Tieren geschützt zu werden:
“[…] Children must be protected from all forms of physical and psychological violence and from exposure to violence, such as domestic violence or violence inflicted on animals.” (1) Die Mitgliedsstaaten müssen nun alles in ihrer Macht Stehende tun, damit Kinder keiner Gewalt an Tieren ausgesetzt sind.
Studien belegen zudem, dass Kinder durch das Erleben von Gewalt an Tieren in ihrem Empathievermögen negativ beeinflusst werden und Tierleid im Laufe der Zeit zunehmend gleichgültig gegenüberstehen.

Das Wichtigste, dass Ihre Schüler*innen aus dem naturwissenschaftlichen Unterricht mitnehmen sollten, ist es, jedes Leben zu achten und zu lernen, mit tierfreien Methoden zu forschen.

Sehr gerne unterstütze ich Ihre Biologielehrer*innen bei der Suche nach einer tierfreien Alternativmethode.
Ich bedanke mich sehr für Ihre Zeit und Mühe. Für Rückfragen stehe ich Ihnen sehr gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Julia Thielert

M.Sc. Animal Welfare Science
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e.V

 

(1) https://www.ohchr.org/en/documents/general-comments-and-recommendations/general-comment-no-26-2023-childrens-rights-and

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