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Wölfe

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Wolf

Laut EU-Gesetz ist der Wolf geschützt und darf zum Schutz von landwirtschaftlich genutzten Tieren nur gejagt werden, wenn alle möglichen Maßnahmen zum Schutz der vom Menschen genutzten Tiere erfolglos getroffen wurden. Eine generelle Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht ist damit ein Verstoß gegen EU-Gesetz, denn diese Voraussetzung kann nur im Einzelfall geprüft werden. Dennoch wird diese Forderung immer wieder gestellt und auch von einigen Politiker:innen unterstützt.

Dabei zeigt ein Blick in die Statistiken der Wolfsrisse und die Schutzmaßnahmen der Tierhalter, dass die vom Wolf angegriffenen Tiere fast nie ausreichend geschützt waren. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf hat bereits im März 2020 veröffentlicht, wie adäquater Herdenschutz aussehen muss. Dabei ist eine Grundhöhe des elektrischen Zaunes von 120 cm als Mindestmaß angegeben. Kaum ein Tier in Niedersachsen ist so geschützt. Viele der Tiere scheinen gar nicht geschützt gewesen zu sein oder mit einem Zaun von allerhöchstens 100 cm Höhe. Außerdem gibt es auch klare Empfehlungen über die Höhe der einzelnen Zaundrähte. So sollten es fünf Stück sein, auf einer Höhe von 20, 40, 60 und 90 cm. Dazu findet man meist gar keine Angaben in den Aufzeichnungen der Risse.

Anstatt Wölfe zum Abschuss freizugeben, sollten Tierhalter:innen aufgeklärt werden über nötige Maßnahmen zum Schutz ihrer Tiere und natürlich auch finanziell bei diesen unterstützt werden. Erfahrungen zeigen, dass bei adäquater Umsetzung der Schutzmaßnahmen nach ein bis zwei Jahren ein deutlicher Rückgang der Angriffe in der Übergriffsstatistik zu verbuchen ist (in 80% der Fälle konnten so Erfolge erzielt werden). Dies geschieht durch die Anpassung des Menschen an die neue Situation und das Lernverhalten der Wölfe (1).

Jagd ist zur langfristigen Kontrolle von Übergriffen auf Weidetiere sinnlos. Wölfe wandern am Tag bis zu 75 km. Sie überwinden dabei Ländergrenzen. Es gibt zurzeit 17.000 Wölfe in Kontinentaleuropa. Und das ist ohne Russland und Weißrussland. Tötet man ein Rudel wird sein Territorium über kurz oder lang von einem anderen Wolf besetzt. International wandernde Tiere, kann man mit lokaler Jagd niemals regulieren. Im Gegenteil haben Studien und Beispiele wie Norwegen, wo Karnivore bejagt werden, immer wieder gezeigt, dass Jagd kontraproduktiv ist. In Norwegen hält man die Populationen von Karnivoren klein, indem man sie gezielt bejagt. Aber trotz der stetigen Tötung eines großen Anteils der Karnivoren, ist Norwegens Angriffsrate auf landwirtschaftlich gehaltene Tiere deutlich höher als die anderer EU-Länder und das seit Jahrzehnten (2). Denn die Jagd zerstört die Rudelstrukturen und die natürliche Dynamik der Natur. Normalerweise pflanzen sich in einem Rudel nur die Elterntiere fort. Gerade wenn eines von ihnen abgeschossen wird, zerfällt das Rudel. Junge, unerfahrene Wölfe wandern durchs Land, pflanzen sich fort, suchen nach leichten Futterquellen = die vom Menschen gehaltenen Tiere. Daher führt Jagd zu mehr Nutz- und Haustierrissen. Und durch die höhere Anzahl an paarungsbereiten Wölfen auch zu mehr Wölfen (3). Eine groß angelegte Studie über 25 Jahre in der EU und den USA fand, dass in einem Drittel der Fälle das Töten von Wölfen zu mehr Angriffen auf die Tiere vom Menschen führte. Zusammenfassend fand sich in dieser Studie, dass in 71 % der Fälle das Töten von Wölfen zu keinem Unterschied oder sogar einem Anstieg der Übergriffe führte. In 29% der Fälle, gab es eine kurze Phase mit weniger Übergriffen, die dann aber schnell wieder abflachte (4).

Es wäre sinnvoller, ein fest etabliertes Rudel in einem Gebiet zu halten, diese blockieren durch ihr Territorium 250 bis 350 Quadratmeter für andere Wölfe. Tiere vom Menschen müssen in diesem Gebiet ausreichend geschützt werden, sodass die Wölfe lernen, dass diese keine Futterquelle für sie darstellen. Die Elterntiere zeigen ihren Jungen, wie man jagt und geben dieses Wissen an die Jungtiere weiter. Dies führt langfristig zu Wölfen, welche die Tiere vom Menschen nicht mehr als leichte Nahrungsquelle sehen.

Wenn ständig menschliche Eingriffe in Form von Tötungen in die Strukturen des Rudels stattfinden, wird sich nie ein funktionierendes System entwickeln.

Den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen verstößt damit nicht nur gegen EU-Recht, sondern entbehrt sich auch jeder langfristig gedachten Logik.

Quellen

1: Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (2020) Bundesweite Schadensstatistik. Available at: https://www.dbb-wolf.de/wolfsmanagement/herdenschutz/schadensstatistik

2: Linnell, J.D.C. and Cretois (2018) Research for AGRI Committee - The revival of wolves and other large predators and its impact on farmers and their livelihood in rural regions of Europe. European Parliament, Policy Department for Structural and Cohesion Policies. Available at:
https://www.europarl.europa.eu/cmsdata/191585/IPOL_STU(2018)617488_EN%20AGRI-original.pdf

3: Wielgus, R. B. and Peebles, K. A. (2014) Effects of wolf mortality on livestock depredations. Plos one, 1-16. Available at: https://journals.plos.org/plosone/article/file?id=10.1371/journal.pone.0113505&type=printable

4: Mohl, C. (2016) WWF: Wolfsabschüsse schützen keine Nutztiere. Available at:
https://www.wwf.at/de/wwf-wolfsabschuesse-schuetzen-keine-nutztiere/

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