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Keinen kirchlichen Segen für das Töten von Tieren - Unser Brief an den Dompfarrer von Rottenburg

Keinen kirchlichen Segen für das Töten von Tieren - Unser Brief an den Dompfarrer von Rottenburg

Am 4. November fand in der Domkirche St. Martin zum wiederholten Male die Hubertusmesse statt, bei welcher eine Predigt zur Jagd gehalten wird.

 

Die Hubertusmessen bilden vielerorts den Auftakt zu grausamen Drückjagden. Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sterben bei Drückjagden bis zu 70 Prozent der Wildtiere nicht sofort [1]. Oft flüchten die angeschossenen Tiere, leiden tagelang an ihren schlimmen Verletzungen und sterben schließlich qualvoll, wenn sie bei der sogenannten Nachsuche nicht gefunden werden.

 

Solch grausame Geschehnisse sollten keinen Segen der Kirche erhalten! Aus diesem Grund haben wir am 11. November den folgenden Brief an den Dompfarrer von Rottenburg versandt.

 

Betreff: Hubertusmesse – Keinen kirchlichen Segen für das Töten von Tieren

 

Sehr geehrte Herr Pfarrer Rennemann,

 

ich schreibe Ihnen im Namen von Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e.V. Seit bald 40 Jahren setzt sich unser Verein für die Rechte der Tiere ein, wozu auch das Recht auf Leben und Unversehrtheit zählt.

Am 4. November fand in der Domkirche St. Martin zum wiederholten Male die Hubertusmesse statt bei welcher Sie in diesem Jahr die Predigt hielten.
Überlieferungen zufolge offenbarte sich Gott dem im Jahr 655 in Toulouse geborenen Hubertus während einer Jagd in der Gestalt eines Hirsches. Zutiefst von dieser Begegnung bewegt, entsagte Hubertus in diesem Zuge der Jagd.

Die Hubertusmessen bilden vielerorts jedoch den Auftakt zu grausamen Drückjagden. Laut der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz sterben bei Drückjagden bis zu 70 Prozent der Wildtiere nicht sofort [1]. Oft flüchten die angeschossenen Tiere, leiden tagelang an ihren schlimmen Verletzungen und sterben schließlich qualvoll, wenn sie bei der sogenannten Nachsuche nicht gefunden werden.
Anerkannte Wildbiologen sind sich einig, dass aus ökologischer Sicht keine Notwendigkeit für die Jagd besteht, da eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten stattfindet [2]. Dennoch werden in Deutschland jedes Jahr bis zu fünf Millionen Wildtiere von Jägern getötet.
Dabei stehen den gerade einmal 1.000 Berufsjägern in Deutschland, überwiegend Forstbeamte, etwa 350.000 Hobbyjäger gegenüber [3] [4].

Das Christentum ist eine Religion der Ethik, die für Barmherzigkeit, Achtung vor dem Leben und Nächstenliebe eintritt. Werte, die mit der Ausrichtung einer Hubertusmesse nicht übereinstimmen.

Auch Papst Franziskus bezieht in seiner Umweltenzyklika Laudato si‘ unmissverständlich Stellung zum Umgang mit Tieren: „Heute sagt die Kirche nicht einfach, dass die anderen Geschöpfe dem Wohl des Menschen völlig untergeordnet sind, als besäßen sie in sich selbst keinen Wert und wir könnten willkürlich über sie verfügen“ (LS 69).

Tiere sind Individuen, die Freude und Leid, Schmerz und Glück erfahren können, die Rechte besitzen und die als Mitgeschöpfe geachtet werden müssen. Die Jagd widerspricht einem aufgeklärten, fortschrittlichen Verständnis von Natur und Tieren aufs Schärfste.


Wir würden uns daher wünschen, dass Sie im kommenden Jahr ein Zeichen setzen und - statt einer Hubertusmesse - einen ökumenischen Segnungsgottesdienst für Mensch und Tier gestalten.

Die Kirche sollte für die Bewahrung der Schöpfung eintreten, nicht für ihre Zerstörung.

Ich freue mich über eine zeitnahe Rückmeldung und setze auf Ihre tierfreundliche Antwort.

 

Mit freundlichen Grüßen

 


Stephanie Kowalski
-
Tierärztin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin

E-Mail:
kowalski@tierrechte-bw.de

 

 

 

[1] Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (2010): Tierschutz und Bewegungsjagden. Stellungnahme der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz (TVT). Arbeitskreis Wildtiere und Jagd (AK 6).
[2] Reichholf, J. H.: Die Wahrheit über die Jagd - Evolutionsbiologe Prof. Josef Helmut Reichholf widerlegt Jägerlügen. TV-Dokumentation SWR BW. (15.05.2014).

[3] Deutscher Jagdverband (2016): Jagdscheininhaber in der Bundesrepublik Deutschland. DJV-Handbuch 2016.
[4] Bundesverband Deutscher Berufsjäger (2016): Herzlich willkommen auf der Internetseite des Bundesverbandes Deutscher Berufsjäger e. V. , http://www.revierjaeger.de/ (21. 11. 2016) 

 

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