Login
Ein Leserbrief für die Stadttauben

Ein Leserbrief für die Stadttauben

Am 25.01.2022 haben wir einen Leserbrief an den Zollern-Alb-Kurier und die Hohenzollerische Zeitung gesendet. Bezogen haben wir uns dabei auf den am 20. Januar erschienen Artikel „Mit Rattengift gegen Tauben“. Der Artikel enthielt viel Positives doch wurden zwei Behauptungen aufgestellt, die so nicht stehen bleiben konnten. Wir veröffentlichen den von uns gesendeten Leserbrief hier und möchten auch Sie damit ermutigen, wann immer Sie eine falsche Information in einer Veröffentlichung entdecken, darauf zu reagieren. Nur so können gängige Klischees ausgeräumt werden, welche den Tieren schaden. In diesem konkreten Fall ging es um Stadttauben und Schäden und Gesundheitsgefahren durch ihren Kot.

Artikel vom 20. Januar 2022: Mit Rattengift gegen Tauben

Wir freuen uns über die Gründung des Vereins für Tauben in Bisingen und die Zusammenarbeit mit der Stadt, um die Taubenpopulation nachhaltig zu senken. Es gibt einige Städte, die bereits erfolgreich Taubenpopulationen auf diese Weise kontrollieren. Die Stadt Augsburg ist hier ein gutes Beispiel (https://www.augsburg.de/umwelt-soziales/umwelt/umweltstadt-augsburg/stadttaubenkonzept).

Auch ist die Stadt Augsburg ein Beispiel dafür, dass die Tötung der Tiere keine langfristige Kontrolle der Population ermöglicht. Tauben wurden über Jahrhunderte vom Menschen zu leistungsfähigen Brutmaschinen gezüchtet, sodass sie selbst in den kalten Wintermonaten Fortpflanzung betreiben. Dieses unnatürliche Verhalten hat der Mensch erschaffen. Wer Tauben tötet, macht sich strafbar. Daher sind wir froh, dass der Taubenverein in Bisingen Anzeige in dem Fall erstattet hat. Hier liegt sehr wahrscheinlich ein Strafvergehen vor und dahingehend muss ermittelt werden.

In dem eigentlich interessanten und positiven Artikel sind uns zwei Punkte aufgefallen, die wir kurz richtigstellen möchten. Gerade weil Tauben bei vielen Menschen noch ein schlechtes Image haben, halten wir es für wichtig, mit gängigen Vorurteilen aufzuräumen.

In Ihrem Artikel schreiben Sie, dass Taubenkot sich in Gebäude frisst und teure Schäden verursachen kann. Dazu gibt es eine umfangreiche Studie der Universität Darmstadt, die das widerlegt (1). Taubenkot ist pH-neutral bis schwach sauer. Damit hat er keinen maßgeblichen Einfluss auf die Gebäudezerstörung.

Der zweite Punkt ist die Gesundheitsgefährdung durch Taubenkot. Gut finden wir, dass sie direkt die Relativierung eingefügt haben, dass auch der Kot anderer Tiere gesundheitsgefährdend ist. Allerdings muss man hier realistisch darauf verweisen, dass durch den üblichen Stadttaubenkot keine Gefahr für Menschen ausgeht, die einfach nur in der Stadt einkaufen gehen etc. Die meisten Infektionskrankheiten, die in Tauben vorkommen, sind wirtsspezifisch und daher nicht auf den Menschen übertragbar; häufig nicht mal auf andere Vogelarten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt an, dass nur bei grob fahrlässigem Verhalten eine Infektion durch Stadttauben mit gewissen Erregern denkbar wäre. Die Tiermedizinerin Almut Malone aus Berlin nimmt seit 20 Jahren pro Jahr zwischen 300 bis 700 Stadttauben auf. Bei ihren Untersuchungen hat sie dabei noch nie einen für den Menschen gefährlichen Erreger gefunden (2).

Insgesamt halten wir daher die Aussage über den gesundheitsgefährdenden Taubenkot für unnötig. Gerade für Stadttauben in Not können solche Aussagen dazu führen, dass Menschen sich nicht trauen, ihnen zu helfen; könnten sie doch mit dem gesundheitsgefährdenden Kot in Kontakt kommen. Hier geht aber nicht mehr Gefahr von den Tieren aus, als wenn Sie zum Beispiel einem verletzten Hund helfen. Wer sich die Hände nach dem Kontakt vernünftig desinfiziert, braucht sich keine Sorgen um Infektionen zu machen.


Mit freundlichen Grüßen

Julia Thielert

Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e.V.

 

Quellen

1: https://www.stadttauben-kulmbach.de/module/aktuelles/aktuelles.asp?kategorie_id=4

2: https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/tauben-schaedlingsbekaempfer-schueren-angst-vor-voegeln-a-1165237.html

 

Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit 1983 für die Rechte der Tiere einsetzt. Durch Öffentlichkeitsarbeit macht der Verein Tierleid für die Bevölkerung sichtbar und zeigt Alternativen auf. Seit 2016 sind die Menschen für Tierrechte einer der drei anerkannten Verbände für das Tierschutz Mitwirkungs- und Verbandsklagerecht in Baden-Württemberg.

© Tierrechte Baden-Württemberg