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Hennen – zum Eierlegen missbraucht

© L214 Éthique et Animaux
Hierzulande werden rund 48 Millionen sogenannter „Legehennen" gehalten. Zu vielen Tausenden in riesigen Hallen oder Käfigen zusammengepfercht, besteht ihr einziger Lebenszweck darin, während ihres kurzen Lebens möglichst viele Eier zu legen. Eine einzige Henne der heute genutzten, extrem überzüchteten "Hybridhühner" legt im Jahr um die 300 Eier - mit fatalen gesundheitlichen Folgen. Aufgrund der permantenten Legebelastung werden viele Tiere schwer krank, die Sterblichkeitsrate ist dementsprechend hoch. Nach etwa 12 bis 15 Monaten fällt die Legeleistung der Hennen so stark ab, dass sie für den Eierproduzenten unrentabel geworden sind. Völlig ausgemergelt werden die Tiere am Ende ihres erbärmlichen Lebens zum Schlachthof transportiert und getötet. Zu einem geringen Teil vermarktet die Lebensmittelindustrie ihre toten Körper als Suppenhühner, Tiernahrung, Brühe und Wurstwaren weiter. Der weitaus größte Teil wird verbrannt oder landet als Beimischung zur Gülle in Biogasanlagen.

2016 wurden in Deutschland 12 Milliarden Eier produziert. Der pro Kopf Verbrauch liegt bei jährlich 235 Eiern. Die Küken der „Legehennen" werden nur noch maschinell in Großbrütereien ausgebrütet und in nur 3 - 5 Monaten großgefüttert. Sie erfahren nie die Wärme und Sicherheit einer Mutter und sehen nie das Tageslicht.


Männliche Küken: aussortiert und geschreddert
Kurz nach dem Schlüpfen werden die Küken am Fließband nach ihrem Geschlecht sortiert: Da männliche Küken keine Eier legen und auch aufgrund ihrer Züchtung als „Masthähnchen" ökonomisch wertlos sind, werden allein in Deutschland jährlich routinemäßig 40 – 50 Millionen dieser sogenannten "Eintagsküken" lebendig in den Schredder geworfen oder mit Kohlendioxid erstickt. Die getöteten Küken werden als Abfall entsorgt oder an (Zoo)tiere verfüttert.

Da die massenhafte Tötung der Küken aus rein wirtschaftlichen Gründen dem Tierschutzrecht widerspricht, soll ein Verfahren entwickelt werden, bei dem das Geschlecht bereits im Ei bestimmt werden kann. Auch die Züchtung eines "Zweinutzungshuhns" wird diskutiert, das sowohl zum Eierlegen als auch zum Schlachten genutzt werden kann. Die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Hessen verboten im Jahr 2013 bzw. 2014 per Ministererlass die massenhafte Kükentötung. Nachdem elf Brütereien in NRW jedoch gegen die Verfügung geklagt hatten, wurde das Verbot am 6.2.2015 vom Verwaltungsgericht in Minden gekippt.

Wie die Schredderpraxis von Küken in der Industrie aussieht, kann auf dem folgenden Undercover-Video angesehen werden:




Weibliche Küken: Schmerzhaftes Schnabelstutzen ohne Betäubung
Die Haltungsbedingungen für Legehennen sind trotz der am meisten verbreiteten Bodenhaltung noch so schlecht, dass sie Verhaltensstörungen entwickeln. Um zu verhindern, dass sie sich gegenseitig Federn auspicken, sich verletzen oder sogar töten, wird der empfindliche Schnabel der weiblichen Küken maschinell mit einem glühend heißen Messer oder einem Laser gekürzt. Dabei werden Nerven, Blut- und Lymphgefäße verletzt sowie Teile des Knochens zerstört. Diese Prozedur erfolgt ohne Betäubung und ist äußerst schmerzhaft für die Tiere.

Niedersachsen und Schleswig-Holstein haben per Erlass das Schnabelkürzen zum 31.12.2016 untersagt. Auch der Verein für kontrollierte alternative Tierhaltung (KAT) verfügte ein ab 2017 geltendes Verbot für alle Betriebe, die Eier an deutsche Supermarktketten verkaufen. Davon betroffen sind rund 65 Mio. Hennen. Das bedeutet, dass sich die Haltungsbedingungen der Hennen gravierend verbessern müssen.

Käfighaltung
Etwa jede zehnte Henne wird noch in einen Käfig eingesperrt. Bis zu 60 Hennen müssen sich einen "Kleingruppenkäfig" mit einer Grundfläche von 2,5 m² teilen, der mit einer Sitzstange und einem Bereich zur Ei-Ablage und zum Scharren ausgestattet ist. Jedem Huhn steht eine Grundfläche von 800 cm² zur Verfügung, das ist kaum mehr als eine DIN A4 – Seite. Durch die Enge können sich die Hennen kaum bewegen und werden krank: Organschäden, Gelenkprobleme und Geschwüre sind an der Tagesordnung. Arttypisches Verhalten wie Sandbaden, Flügelschlagen, Scharren und Picken kann in keinster Weise ausgelebt werden.

Das Bundesverfassungsgericht hatte 2010 die Kleingruppenkäfige als verfassungswidrig erklärt. Trotzdem wurde seither kein einheitliches Gesetz auf Bundesebene erlassen, das den Ausstieg aus der Käfighaltung regelt. Deshalb kann jedes Bundesland selbst entscheiden, wann ein Verbot der Kleingruppenkäfige in Kraft tritt.

Bodenhaltung
Die überwiegende Mehrheit der für die Eierproduktion gezüchteten Hennen leben in Bodenhaltung. Hierbei sind bis zu 6000 Tiere in einer Halle eingesperrt, in der sich bis zu 9 Hennen eine Grundfläche von 1 m² teilen müssen. Der Hallenboden ist nur zu einem Drittel mit Einstreu bedeckt. Der Rest des Bodens besteht aus Kotgruben, die mit Latten- oder Plastikgittern bedeckt sind, an denen sich die Tiere verletzen können. Über den Gitterböden sind Sitzstangen, Nester, Tränken und Futterautomaten installiert. Drangvolle Enge und viel zu große Gruppen verursachen enormen sozialen Stress für die Tiere.


Freilandhaltung und Biohaltung
Nur etwa jedes fünfte Huhn hat die Möglichkeit, sich tagsüber im Freien aufzuhalten. In der Freilandhaltung leben die Hennen unter den gleichen Stallbedingungen wie in der Bodenhaltung. Darüber hinaus müssen pro Huhn jedoch 4 m² Auslauffläche vorhanden sein. Aber oftmals kommen die Hennen aufgrund der hohen Besatzdichte nicht einmal an den Ausgang des Stalls. Und selbst wenn sie es bis ins Freie schaffen, fehlen häufig Büsche oder Unterstände, die Schutz vor Greifvögeln gewähren. Die Tiere drängen sich deshalb ängstlich in Stallnähe, statt die gesamte Auslauffläche zu nutzen. In der Biohaltung sind die gleichen Auslaufflächen vorgeschrieben. Pro Stall dürfen jedoch nicht mehr als 3000 Legehennen gehalten werden und die Tierzahl ist dabei auf 6 Hennen pro m² nutzbarer Stallfläche beschränkt. Das Schnabelkürzen und die Käfighaltung sind verboten.

Hühner in Freiheit
In Freiheit leben Hennen in Gruppen von 5 – 20 Tieren und einem Hahn. Sie lieben Staubbäder und verbringen viel Zeit mit Herumlaufen und Futtersuche. Zu ihren Lieblingsspeisen gehören Körner, Samen, Früchte und Insekten. Frei lebende Hennen legen etwa 10 – 40 Eier im Jahr. Sie verbringen viel Zeit mit dem Nestbau und kümmern sich intensiv um ihren Nachwuchs. Jede Henne „spricht" mit ihrem Küken, so dass sich Mutter und Kind durch ganz spezielle Töne rufen, erkennen und wiederfinden.

Ganz einfach: Kochen und Backen ohne Ei
Eier können beim Backen, Binden oder Kochen ganz leicht ersetzt werden. Je nach Funktion des Eies durch Backpulver, Ei-Ersatz, Sojamehl, Seidentofu, Banane oder Apfelmus. Folglich ist die Haltung von Legehennen überflüssig und Millionen Hühnern und Küken kann ein grausames Schicksal erspart bleiben.

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